lost in space

Unheimliche Fliegergeschichten, allerlei Lustiges und sonstige Merkwürdigkeiten

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Olaf
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lost in space

Beitragvon Olaf » 08.02.2012, 23:03

Lost in Space – oder – wie Kamp Lintfort verschwand?

Immer wieder hört man ( Mann ) von scheinbar unglaublichen Naturphänomenen, die bei genauerer Betrachtung etliche Parallelen in der Vergangenheit finden. So geschehen im Spätherbst vergangenen Jahres:

Der Schauplatz: Flugplatz Grefrath / Flugplatz Kamp-Lintfort ( nur temporär physikalisch aktiv )
Die Situation: Ein Flugschüler hatte den Flugauftrag seines Fluglehrers, einen Flug von Grefrath nach Kamp-Lintfort zu absolvieren, dort 3! Starts und Landungen zu machen, diese sich bestätigen zu lassen und dann den Rückflug nach Grefrath zu vollziehen.

Die Flugvorbereitung des Flugschülers waren mehr als gründlich!

Sowohl Wetter, Wind, Wolkenober- Untergrenze, Ausweichplätze, Spread, ADAC, Malteser, wurden befragt und auch alle Nachbarn waren über diesen spektakulären „ 12 Minuten Flug „ informiert.

Hilfe würde im Fall des Falles ( ! ? ) aus jeder erdenklichen Richtung kommen. Ich meine mich erinnern zu können, dass selbst eine mir persönlich bekannte „ Awaks-Crew“ nicht unentspannt in Alarmbereitschaft stand.

Nun denn:“ Einmal muss es getan sein „ Hindenburg 1897 ?

Also flog der „begabte“ Pilot gemäß seiner zuvor in etlichen Stunden berechneten Parametern los!
Für den unbedarften Leser mögen sich 12 Minuten wie eine Lächerlichkeit ausnehmen, für den Aviator jedoch, der bei 10 Km Sicht und 0- Wind seiner Maschine immer um Sekunden voraus sein muss, sind 12 Minuten ( der Grundstock zur Blamage vor der gesamten Jugend, ein Grund sich zu Erschießen- möglichst kurz nach der Landung ) eben auch nur 12 Minuten zur Erkennung der widrigen Wetterunbilden ( kaum Wind, keine! ! Wolken, Null, / 0 Thermik ) ist eine gründliche meteorologische Vorbereitung unumgänglich. Es waren an diesem Tag im Umkreis von ca. 250 Km ( die Vorbereitung war sehr! gründlich ) keine nennenswerten Wetterereignisse zu erwarten.

Kurz nach dem Start, der zweifellos als einer der Besten des jungen Aviators gelten darf, drehte ich nach rechts um den zuvor errechneten Kompasskurs aufzunehmen. Allein: der Kompass weigerte sich schon in dieser frühen Phase des langen und anspruchsvollen Fluges, sich auf die gewünschte Gradzahl zu konzentrieren. Nachdem ich mich und der Kumpel Kompass sich beruhigt hatten, flog ich, den Drehkranz meiner Armbanduhr um 12 Minuten vorgestellt, meinen errechneten Kurs. Gewisse Leute am Platz gaben im Nachhinein wertvolle Tips, wie: „ Du brauchst doch bloß den weißen Turm anzusteuern, den sieht man ja von hier schon“. Ha Ha, Auf dem Weg nach K.L. hab ich mehr weiße Türme gesehen, als mein Kumpel in der Klappse weiße Mäuse. Jedenfalls sah ich nach einigen Minuten Kempen ( glaub ich ). Meine navigatorischen Fähigkeiten waren anscheinend von Natur aus überdurchschnittlich ausgeprägt, ein begabter Junge eben!

Tja Kempen altes Kempen, völlig allein der wilden Natur in diesem simplen Apparat ausgesetzt war Kempen so ziemlich das letzte was ich ab jetzt wieder erkennen sollte, mich selbst eingeschlossen!

Inzwischen ging auch Kollege Kompass schon wieder eigene Wege oder immer noch?
Na ja es waren ja noch lange 8 Minuten zu Fliegen. 8 Minuten über Feindesland, der Piloteur eins mit seiner Maschine ( den Kompass mal nicht mitgerechnet ).

Hinter Kempen ein Baggerloch das aussieht wie ein „E“ Gott bin ich gut!

Der folgende Text ist der Monolog des Aviators in der superkritischen Auffindphase des „ gegnerischen „ Flugfeldes. Weshalb „ gegnerisch „ werde ich später erläutern und auch wissenschaftlich untermauern.

So! 11 Minuten, um, so langsam sollte Kamp-Lintfort kommen, der Golfplatz!!! Hurra!!
Weißer Turm, Autobahn, Wald, Gewerbegebiet alles da.

Anmerkung: In dieser Phase höchster Konzentration spricht der Aviator mit sich selbst nur noch in Stichworten um die Kommunikation kurz und prägnant zu halten.

Alles da, wo ist bloß diese sch….. Bahn? Schon drüber weg? Dann 90 Grad rechts.
Die muß!!! doch da sein. So ein Mist Mist Mist. Also noch mal ein Stück zurück 2 Minuten fliegen, dann 180 Grad und alles von vorn. So jetzt aufpassen, aufpassen. Da! Golfplatz – schön, Wald Gewerbegebiet. Wo ist bloß diese Sch…. Verd… drecks, Bahn?

Hab sie, hab sie! man, man, man, das wär` aber peinlich geworden.

So Info rufen und Gegenanflug bei der Windrichtung sollte XX aktiv sein.

Wo ist denn jetzt diese versch… Bahn?

Dasssssss! Kann doch nich` wahr sein!

Der Aviator traf in den folgenden Minuten den Entschluss nach Grefrath zurück zu kehren und das gesamte Procedere erneut durchzuführen.

Kurzer Monolog: Na wenn Grefrath gleich auch weg ist wird`s lustig!

Grefrath war da! In etwa wieder den Abflugpunkt gesucht, Kumpel Kompass angefleht, wieder 12 Minuten, wieder Golfplatz, Wald, weißer Turm Gewerbegebiet alles da!

Bis auf diese :schei….. drec…. verfi….sauschei.... Landebahn!

Dann eben mit Trick!! Ein paar Minuten drüber hinaus fliegen dann 180 Grad und dann !!! QDM!!!

Erklärung: Ein QDM ist ein hoch kompliziertes funktechnisches Verfahren, das allen Beteiligten ein Höchstmaß an Disziplin und Professionalität abverlangt.

QDM kam: XXX Grad. Also los! Autobahn links, Turm rechts, Golfplatz weiter voraus, also jetzt muss doch die Bahn….. War sie aber nicht!!

In der Zwischenzeit waren aus 3 mal 12 Minuten schon über 60 geworden und die Neurotransmitter des Aviators hätten das Neujahrsfeuerwerk von Sydney wie eine Friedhofskerze aussehen lassen!
Mir reicht`s, nur wieder zurück, na das wird was da unten. Inzwischen erkundigte sich auch der Fluglehrer nach dem Verbleib des Piloteurs und stellte auch gleich die Eingangsfrage zum Kreuzverhör eines Massenmörders: „Weißt du denn wo du bist? „
Antwort, völlig ruhig, nahezu gelangweilt: „ Jetzt wieder, bin gleich unten „

Landung war einigermaßen, aber ich brauchte dringend neue Wäsche, vor allem „unten“!

Analyse:

Was war geschehen? Nach Rücksprache mit mir bekannten Mitarbeitern des CERN in der Schweiz, ist der Grund des Verschwindens von Kamp-Lintfort in der Raum / Zeit Verschiebung zu suchen. Quasi eine Art Bermudadreieck am Niederrhein! Zugegeben es passiert selten aber es passiert, ich war in ein Wurmloch geraten ( Ich Wurm in einem Orientierungsloch ) was auch das sporadische Wiederauftauchen der Landebahn erklärt.

Gemäß der neuesten Erkenntnisse der besten Quantenphysiker wird das Verhalten solcher bewegten Massen / Landebahn als „ feindlich „ oder „gegnerich“ bezeichnet ( siehe oben ).

Ich hoffe diese kurze wissenschaftliche Abhandlung gefällt.
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Frank
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Beitragvon Frank » 08.02.2012, 23:30

Daumen hoch, Olaf - ich lieg zuckend am Boden und brauche gleich auch neue Wäsche untenrum!!!

....sind Dir denn nicht in diesem Wurmloch die Socken begegnet, die sich regelmäßig einzeln (!) aus diversen Waschmaschinen verabschieden und nicht mehr auffindbar sind?!

LG, Frank
...''einfach'' Fliegen!!!
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Beitragvon quax2000 » 08.02.2012, 23:37

Nette Story! Da kommen so Erinnerungen hoch wie: Du mußt einfach nur den Überlandleitungen nachfliegen, dann kommst Du schon hin...
(und aus heutiger Sicht stimmt das auch) :-)
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Beitragvon Cobra Uwe » 09.02.2012, 08:23

Hey, Olaf...
mehr davon.
Ist ne tolle Story und errinnert mich an meine Gründerzeit :lol: :lol: :lol:

UWE
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Beitragvon Mowa » 09.02.2012, 09:46

Groooooßartig! Erinert mich n bisschen an meine ersten Solo-Platzrunden: "Nein, D-MBlaBlaBla, du kannst nicht mit der Beech 45 in Formation landen... !" Gesehen hab ich die erst auf dem Vorfeld!

Toll! Danke!

Beste Grüße,
Olli
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Beitragvon gero » 09.02.2012, 10:43

Wunderschön! Und wie ich mich da wiedererkenne (bei mir hatte jemand einfach eine Bahnlinie ins Wurmloch versteckt...)

gero
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Beitragvon Timpilot » 09.02.2012, 15:28

Ja, mir gefällt es auch sehr!
... weil es mir auch immer wieder mal passiert, besonders wenn ich ohne GPS fliege (weils schön ist mal nicht einem Strich hinterher zu fliegen und nach draußén zu gucken). Ich musste zum Glück noch nie umkehren - bevor der Sprit leer war habe ich dann doch immer irgendetwas als Landebahn identifizieren können.

In Spanien bin ich allerdings mal auf einem Acker gelandet, weil versprochener Flugplatz langfristig und nachhaltig in Raum und Zeit verschwunden war... :wink:
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Beitragvon Olaf » 10.02.2012, 00:01

Hallo Forum,

vielen Dank für für eure tollen Komentare!

Hab schon befürchtet, ich würde für meine Blödheit abgewatscht! Deshalb nochmals Danke! Natürlich war das alles nicht ganz so lustig, könnt ihr euch ja denken. Aber da ihr quasi drum bettelt!!!! gibt es bald was neues. "nicht gemault ist auch gelobt-oder- den Göttern so nah" hendelt vom Lehrer / Schüler Verhältnis. Ist allerdings kein Fünckchen Wahrheit drin, ich schätze alle Fluglehrer sehr.

Gott!!! bin ich froh nicht allein so eine Erfahrung gemacht zu haben, alle die die Geschichte lesen, lachen zwar, aber kaum einer gibt zu auch schon mal "verloren gegangen zu sein"

Gruß´aus Nettetal

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